Brotknödel-Cup-Cake


Ja – es gibt Tage, da läuft nichts so wie man es sich vorstellt.

Der Plan war ein Schweinefilet mit selbst fermentiertem Sauerkraut und Semmelknödel – wohl eher Brotknödel – aus angesammelten getrockneten Brotresten (meist die erste etwas angetrocknete Scheibe, die zum Frühstück nicht so toll ist).

Alle Zutaten da? Klar!

Brotreste, zwei Eier, Milch etwas Sahne, Schinkenwürfelchen (Vegetarierer lassen die einfach weg), Gewürze. Also an die Arbeit. Semmelknödel sollten kein Problem sein.

Die größeren Brotstücke noch etwas zerkleinern, alles mit der Milch übergießen und einweichen. Dabei immer mal wieder kontrollieren und rühren, sodass alles schön mit der Flüssigkeit bedeckt ist.

Okay – nun ist alles schön weich!

Dann die beiden Eier aufschlagen mit Pfeffer, gemahlenem Kümmel und reichlich Muskat, mildem Paprika würzen. Kein Salz! Durch das Brot kommt ausreichend Salz an die Knödel. Ist der Teig etwas zu trocken, kann man sich mit ein wenig Sahne behelfen…

… ja, genau das war’s!

Die zwar nur noch zu einem Viertel gefüllte Flasche ist mir aus der Hand geglitscht… und so richtig nach Murphy’s Law mit der Öffnung nach unten, sodaß die ganze Sahne in den Teig lief.

Gut, eigentlich kein Problem! dachte ich.

Aber, es war kein weiteres Brot im Haus! Ein Blick auf die Uhr zeigte mir, die erreichbaren Bäcker hatten bereits ihre Läden dicht gemacht. Da mich bereits der Frust gepackt hatte, wollte ich auch nicht zum nächstgelegenen Supermarkt fahren.

… an einer solchen Stelle liebe ich Eugen Roth:

„Der Mensch in seinem ersten Zorn wirft leicht die Flinte in das Korn.

Und wenn ihm dann der Zorn verfliegt, die Flinte wo im Korne liegt.
Der Mensch bedarf dann mancher Finte, zu kriegen eine neue Flinte!“

Also habe ich erst mal die Flüssigkeit vollständig eingerührt. Das Ergebnis war dann halt eine ziemlich dünne Pampe. Ich habe es dann einfach zur Seite gestellt und noch einmal etwas ziehen lassen.

Da stand ich nun in meiner Küche und schaute ziemlich dümmlich aus der Wäsche. Tief Luft holen. Als ich schließlich den Hängeschrank öffnete um mir ein Trinkglas zu holen, sah ich die Lösung vor mir – Souffléförmchen!

Probieren geht über studieren!

So die Förmchen mit Butterschmalz ausstreichen und mit der Masse füllen – und jetzt?
Im Backofen verbrennt wahrscheinlich die Oberfläche, jetzt wäre die Dampffunktion toll – habe ich nicht. Außerdem wegen drei Förmchen den Backofen anzuheizen, ist ziemlich kontraproduktiv.

Einen Wassertopf auf den Herd gestellt. Ein Geschirrtuch unten rein, die drei Förmchen vorsichtig hineinstellen, den Topf mit Wasser füllen, sodaß die Förmchen zu zwei Drittel im Wasser stehen.
Deckel drauf – vorzugsweise ein Glasdeckel – und bei kleiner bis mittlerer Hitze garen.

Interessant war, was dann geschah. Erst mal außer Dampf schlicht nix und dann…
… auf einmal wuchs der Teig über die Förmchen hinaus, was aber kein Problem war, denn die Hitze im Topf war ausreichend um die Oberfläche zu festigen – jetzt bloß nicht den Deckel abnehmen.

Brotknödel-Cupcake, Brotknödel-Soufflé oder gar Brot-Pudding – was denn nun!

Als nach meinen intensiven Beobachtungen die Masse nicht mehr höher wurde, habe ich die Hitze komplett abgeschaltet und noch 5 Minuten abgewartet. Danach die Förmchen mit einer Zange aus dem Topf gehoben und etwas frustriert zugesehen wie das Soufflé zusammenfiel. Leider!

Derweil briet ich das Schweinelendchen an und erwärmte das Sauerkraut, richtete mir eine kleine nun halt sahnefreie Bratensoße. Alles soweit gut! Für solche Fälle habe ich immer selbst gemachten Bratenfond im Kühlschrank.

Nachdem die Förmchen einigermaßen abgekühlt waren, habe ich sie auf einem Teller gestürzt und gestaunt. Ganz fluffig! Aufschneiden. Ein Form ergab zwei Scheiben, diese mit etwas Butterschmalz angebraten. Ich habe natürlich vorher die Masse probiert – mmmmh, lecker – gut gewürzt, weiteres Salz nicht notwendig.

Ende gut – Pudding gut !?!

Als ich dann endlich das Gericht auf den Teller brachte, war ich mit mir und der Welt versöhnt. Das mache ich wieder. Aber ich weiß wirklich nicht wie ich die Dinger nennen soll. Und Rezept gibt es derzeit auch keines.

Es sind keine Knödel, es ist kein Soufflé, eher ein Pudding – ein Brot-Pudding!

Jedenfalls eine leckere Möglichkeit übrig gebliebenes Brot zu retten! Semmelbrösel braucht man nicht wirklich soviel.

Semmelbrösel – oha, das dicke Zorn-Brett vor dem Kopf ist weg – davon hätte ich ausreichend gehabt um den Teig anzudicken.

Geschmeckt hat es jedenfalls vorzüglich!
Brotknödel mit selbstfermentiertem Sauerkraut und Lendchen von einem Bioschwein

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