Eine Träne im Knopfloch…


…oder so!

Ich war mal wieder mit dem Fahrrad unterwegs. Jetzt im Herbst ist Erntezeit.
Viele der Felder sind schon abgeerntet. Weizen, Gerste, Roggen, Kartoffel alles kommt bei trockenem Wetter in die Scheune.

Aber dieses Feld sah komisch aus. Ganz flach wie gewalzt und überall lagen große und kleine Steine.
Hallo, wir sind in der Oberrheinischen Tiefebene, natürlich gibt es hier Kies mit großen und kleinen Steinen, aber nicht so wie hier auf diesem Feld.
Außerdem war da ein Geruch in der Luft – falsch es duftete nach…

Ein fast abgeerntetes Feld, dahinter das Breisacher Münster

… die Neugierde siegt!

Nichts wie auf das Feld!

Das sind nicht nur Steine.
Das sind von der Ernte zurück gebliebene Zwiebel. Von der Erntemaschine aussortiert, weil zu groß oder viel zu klein, eben nicht in der Norm. Maschinen kennen keine Gnade. Was nicht ins Raster passt, fliegt raus.

Gut die großen Zwiebel waren meist bis zu Matsch zerdrückt!
Aber, da lagen hunderte so kleine Zwiebelchen herum und das brachte mich auf eine Idee – eingelegte Zwiebel, so ähnlich wie Silberzwiebel, aber halt mit richtigen Zwiebeln.

Nun kam in mir die Frage auf, darf ich die einfach einsammeln oder ist das Mundraub – immerhin gehört dieses Feld ja einem Landwirt.

Und, welch Glückes Geschick, da fuhr er doch mit seinem Traktor geradewegs auf das Feld um weitere Bahnen zur Ernte vorzubereiten. Ich nicht faul, bei der nächsten Wende stand ich im Weg – wie ein Fels in der Brandung oder so…!

Auf den Punkt gebracht, wenn man fragt, darf man auf das abgeerntete Feld und dann auch aufheben, was da liegt.

Nicht abgeerntete Felder sind Tabu!

Wer höflich fragt bekommt auch eine ordentliche Antwort

Okay, noch ein wenig Smalltalk. Der Bauer an die Arbeit, ich ans Sammeln und hier das Ergebnis: ein Säckchen mit fast 3 Kilo roter Mini-Zwiebeln in einer knappen halben Stunde!
Solche mehrmals verwendbare Stoffsäckchen habe ich immer im Rucksack dabei – NO PLASTIC!
Versucht diese Zwiebel in dieser Größe mal auf dem Markt zu bekommen – die meisten Händler sind freundlich und schütteln nur den Kopf…

Der Plan steht. Daraus werden zum einen in Balsamico eingelegte Zwiebel, die werden dann auf der Anti-Pasti-Platte angerichtet und dann noch ein süß-saures-scharfes Apfel-Zwiebel-Chutney für das nächste Grillen, zu einem kräftigem Käse oder als Aufstrich.

Also, was geht?

Wenn Du Zwiebeln schälst, bleiben die Tränen nunmal nicht aus.
Egal mit welchem Trick Du versuchst das zu umgehen – durch den Mund atmen, Taucherbrille mit Schnorchel oder unter Wasser schälen- nix hilft wirklich.
Da musst Du durch oder auch nicht – es kommt auf den zu erhoffenden Genuß an.

Ich habe das freiwillig angetan – ein Freund von mir würde jetzt sagen: „… der Wahn!“

Doch der Reihe nach:

Rote Zwiebelchen in Balsamico eingelegt

Vor dem Schälen habe ich die Zwiebel gründlich gewaschen, um daran hängende Erde zu entfernen. Danach wurden sie draußen auf dem Balkontisch zum Trocknen ausgebreitet. Ich habe sie 24 Stunden dort liegen lassen. Der Rest war dann Strafarbeit – nun ja, auch das ging vorbei!

Und jetzt zum Rezept – das ist nicht von mir!
Ich habe mich an dem Rezept von Dinner4Friends orientiert. Die Seite kann was!
Wie allseits bekannt, es ist nicht nötig das Rad immer wieder von Neuem zu erfinden. Ich habe ein paar Anpassungen nach meinem Gusto gemacht. Ihr könnt ja vergleichen.

Das Rezept:

Zutaten

  • 800 g geschälte kleine rote Zwiebelchen
  • 400 ml roten Aceto Balsamico
  • 100 ml Rotweinweinessig
  • 250 ml Wasser
  • 250 g Rohrzucker
  • 1 Esslöffel unraffiniertes Meersalz
  • 1 gehäufter Esslöffel bunte Pfefferkörner
  • 5 Pimentkörner, im Mörser angestossen
  • 2 kleine trockene Chilischoten, auch im Mörser angedrückt
  • 1 Teelöffel Senfkörner
  • 1 Teelöffel Korianderkörner

So geht es…

  • den Zucker habe ich in einem großen Topf schmelzen lassen, dann mit 250 ml Wasser abgelöscht und gründlich aufgelöst
  • mit dem Balsamico, dem Essig und allen anderen Zutaten aufkochen
  • auch hier heißt es mit einem Löffelchen probieren. Abschmecken ist wichtig.
  • jetzt die Zwiebel in den kochenden Sud, kurz aufkochen und dann circa 3 bis 5 Minuten simmern lassen. Das ist abhängig von der Größe der Zwiebel – die sollten keinesfalls zu weich werden.
  • von der Flamme nehmen und zügig mit einem Schaumlöffel in die vorher ausgekochten Gläser verteilen
  • den Sud nochmal zum Kochen bringen und bis zum Rand in die Gläser füllen
  • Deckel draufschrauben und die Gläser über Kopf abkühlen lassen
  • danach am Besten an einem dunklen Ort für vier Wochen vergessen

Das ergab dann zwei 500 ml Gläser (recycelte Joghurt-Gläser) und ein kleineres Glas mit 440 ml, da waren passender Weise schon mal Silberzwiebeln drin.

Dann kommt irgendwann der AHA-Effekt! Gekühlt auf dem Antipasti-Teller ein Hochgenuß! Naschen darf man natürlich auch, zwischendurch…

… und die Gemeinheit ist, jetzt heißt es mindestens vier (4) Wochen warten!
Zum Trost und für den schnellen Genuß folgt jetzt, ebenfalls zum Herbst passend das zweite Rezept:

Reif zur Ernte!

Apfel-Zwiebel-Chutney – süß, sauer und scharf

Am Samstag habe ich mir dann auf dem Markt hier in Breisach die passenden Äpfel besorgt. Saftig, säuerlich und mit festem Fleisch, die sollen ja nicht zerfallen beim Einkochen des Chutneys.

Also noch einmal ging es ans Zwiebel schälen und die mussten dann auch noch klein geschnitten werden. Äpfel schälen, entkernen und würfeln, war dann eine gute Abwechslung.

Grundsätzlich ist das das gleiche Rezept wie bei meinem Rhabarber-Zwiebel-Chutney mit etwas anderen Zutat und eine Änderung in der Vorgehensweise. Äpfel bieten sich in dieser Jahreszeit an.

Und da ich beim Rhabarber-Zwiebel-Chutney zu wenig gemacht habe, habe ich jetzt die Menge verdoppelt. Das waren dann auch mehr Tränen ;)!

Zutaten

  • 1000 g neue Äpfel, geschält und gewürfelt
  • 1000 g gemischte Zwiebel, rot und weiß
  • 4 bis 6 Zehen Knoblauch
  • 1 großes Stück Ingwer
  • 160 g Rosinen
  • 2 bis 4 Esslöffel Pfefferkörner
  • 4 Esslöffel Senfkörner
  • 2 Esslöffel Korianderkörner
  • etwas Fenchelsamen
  • 2 bis 4 rote, getrocknete Chili – die kleinen scharfen
  • 1000 g Gelierzucker 1:1
  • Rapsöl
  • 200 ml Apfelessig
  • Salz

So geht es…

  • die Äpfel schälen in kleine Würfel schneiden (Nicht zu klein, der Apfel soll nicht verkochen, aber auch nicht zu groß, den Äpfel quellen beim Kochen auf!)
  • die feingeschnittenen Zwiebel mit dem feingeschnittenen Knoblauch, dem feingewürfelten Ingwer und den Rosinen in einem großen Topf anbraten bis die Zwiebel gebräunt sind – nicht anbrennen lassen
  • den zeriebenen Chili dazu geben
  • alle andere Gewürze, außer dem Salz kurz mitkochen
  • mit dem Essig ablöschen
  • die Äpfel dazu und 20 bis 30 Minuten auf kleiner Flamme unter ständigem Rühren zu einer marmeladenartigen Konsistenz einkochen
  • mit Salz abschmecken
  • in die vorbereiteten sterilisierten Gläser füllen sofort verschließen und kurz auf den Kopf stellen
  • umdrehen und auskühlen lassen
  • beschriften nicht vergessen, hält im Kühlschrank mindesten 6 Monate (wenn es nicht vorher aufgebraucht ist!)

Tipp

Ich verwende am liebsten 230 ml Schraubgläser, damit das Chutney nach dem Öffnen aufgebraucht wird. Die hatte ich aber nicht ausreichend zur Hand, deswegen habe ich auch größere Gläser (440 ml) genommen.
Ist das Glas einmal geöffnet, sollte der Inhalt bald verbraucht werden.
Wie lang das Chutney im geöffneten Glas hält, kann ich nicht sagen.
Es ist zu bedenken, dass es zwar eingekocht und leicht geliert ist, aber halt keine gezuckerte, gekochte Marmelade.
Deshalb kleine Gläser und bald aufbrauchen.

Das Ergebnis der Aktion: 3x 500 ml Rote Zwiebelchen und 11x Apfel-Chutney in Gläser, die zur Hand waren

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Die Zwiebeln sind bestimmt äußerst lecker. Man kann sie auch nur mit Salz einlegen und ein paar Wochen fermentieren lassen. Das ist mein Favorit.

    Gefällt 1 Person

    1. Opa Reiner sagt:

      Gute Idee! Ich denke ich gehe nochmal sammeln, solange es trocken ist.
      Liebe Grüße Opa Reiner

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